Serverside Tagging im Google Tag Manager – das nächste große Ding?

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Schon Anfang des Jahres wurde ein größeres Google Tag Manager Update angekündigt. Ein Update, auf das die Industrie schon eine ganze Weile wartet: Serverseitiges Tracking via Google Tag Manager. 

Vor ein paar Tagen wurde die Funktion nun endlich released, wenn auch vorerst als Public Beta Version – jetzt, wo der erste Hype verflogen ist, wird es natürlich Zeit für einen Blogbeitrag. 🙂 

Was ist serverseitiges Tracking? 

Generell wird bei Tracking zwischen “serverseitig” und “clientseitig” unterschieden, wobei sich serverseitiges Tracking, wie der Name schon sagt, auf dem Server abspielt, während clientseitiges Tracking hauptsächlich im Browser des Nutzers stattfindet.

Was ist der Vorteil von serverseitigem Tracking gegenüber clientseitigem Tracking? 

Kontrolle & Transparenz

Der größte Vorteil von serverseitigem Tracking ist die Kontrolle über die eigenen Daten: Während bei cookiebasierten Third Party Tracking und Marketing Lösungen kaum ersichtlich ist, welche Daten genau weitergegeben werden, landet bei serverseitigem Tracking zuerst alles auf unserem Server – wir haben also Einblick in alle Daten, die weitergereicht werden und können genau entscheiden, welche Daten wir an welche Applikation weitergeben möchten. 

Für mich als Kontrollfreak, aber auch für eure Nutzer, die euch unter Umständen ihre persönlichen Daten anvertrauen, eine ziemlich gute Sache. 

Verbesserte Datenqualität

Wenn es eine Sache gibt, die mir persönlich wichtiger ist als die volle Kontrolle über alle Daten, dann ist es die Datenqualität in meinen Reports – und die ist mit clientseitigem Tracking leider einfach nicht besonders gut. 

Auch hier kommt serverseitiges Tracking ins Spiel, denn mit Server-Side-Tagging können viele Browser-Restrictions wie ITP & Ad-, bzw. Tracking-Blocker (zumindest im Moment noch) umgangen werden. 

Disclaimer: Nutzer, die nicht getrackt werden möchten, sollten auch nicht getrackt werden. Die Wünsche eurer Nutzer zu respektieren, zeugt nicht nur von gutem Benehmen, sondern sorgt auch für Vertrauen und damit bestenfalls für bessere Kundenbindung. Deswegen gehen wir später auch noch kurz darauf ein, wie ihr die “Not-Track”-Einstellungen in euer serverseitiges Setup übernehmen könnt.

Ist serverseitiges Tracking neu? 

Nö. Ganz streng genommen sind sogar Logfiles eine Art von serverseitigem Tracking – wenn auch in der Regel nicht besonders hübsch aufbereitet und eher unschön, wenn man sie per Hand analysieren muss. 

Aber auch Anbieter wie Matomo oder Snowplow, sogar Google Analytics selbst bieten eine Möglichkeit zum serverseitigen Tracking an, wobei Google Analytics mit seinem “Measurement Protocol” die wahrscheinlich bekannteste server side Lösung herausgebracht hat. Das war übrigens schon 2013, also vor knapp 7 ½ Jahren. 

Was macht die neue Lösung im GTM dann so besonders? 

Eben das: Mit dem Server-Container im Google Tag Manager lässt sich serverseitiges Tracking fast komplett im GTM aufsetzen. Es ist also insgesamt sehr viel einfacher und für alle zugänglich geworden und kann auch ohne Entwickler Ressourcen (die sind ja bekanntlich immer knapp) implementiert werden. 

Kommt serverseitiges Tracking ohne Cookies aus? 

Ja. Und nein. Generell ist serverseitiges Tracking nicht zwingend an Cookies gebunden – die neue Server Side Tagging Technologie, die sich im Google Tag Manager aufsetzen lässt, verwendet aber standardmäßig Cookies. 

Die Besonderheit ist, dass serverside Tagging via GTM komplett auf First Party Cookies setzt – also von den meisten Adblockern noch unangetastet bleibt und im besten Fall auch unbeschadet durch die verschiedensten Browser-Einschränkungen kommt.

Ein Opt-In für Tracking- und Marketing-Cookies muss allerdings – zumindest im Standard-Setup – weiterhin eingeholt werden. 

Google Analytics Tracking mit Server Side Cookies: Der FPID Cookie

Der neue Server Container kommt mit zwei vordefinierten Clients: Einer für Web+App & einer für Universal Analytics. Als besonderes Feature hat Google hier die Option eingeräumt, den Analytics-Cookie nicht mehr wie gewohnt via Javascript zu setzen, sondern wahlweise auf einen serverseitigen Cookie umzusteigen.

In der serverseitigen Option wird die Client ID gehashed, im sogenannten “FPID-Cookie” gespeichert (HTTP-Only) und zukünftige Analytics-Requests mit der gehashten Client-ID aus dem serverseitigen Cookie bedient. Das ist vor allem im Kontext von ITP und anderen Browser-Einschränkungen von Nutzen. 

Funktioniert serverside Tagging nur mit Google Analytics? 

Nein, prinzipiell kann serverseitiges Tagging und Tracking für alle Plattformen und Pixel angewandt werden, die einen API-Endpunkt bieten, an den man die Daten schicken kann. Neben Google Analytics steht diese Funktionalität zum Beispiel auch bei Facebook zur Verfügung, wodurch etwa Conversion-Tracking auf Facebook möglich wird. 

Die vordefinierten Client- und Tag-Templates stehen allerdings aktuell nur für Google Analytics zur Verfügung. Wer weitere Tools anbinden will, muss diese mit eigens entwickelten Clients und Tags tun. Man kann aber davon ausgehen, dass Google selbst hier nachrüsten und langfristig selbst weitere Templates zur Verfügung stellen oder zumindest die Template-Galerie für Community-Templates öffnen wird. 

Gibt es Nachteile oder Risiken? 

Der Server-Container ist an sich erstmal nur ein Tool – wie “risikoreich” oder wie “sicher” die Nutzung dieses Tools ist, hängt in erster Linie vom Anwender ab. Wer sich im Vorfeld mit dem Server-Container beschäftigt und in einem eigens dafür erstellten Container testet, sollte auf der sicheren Seite sein. 

Großer Nachteil: Google Cloud Account & damit verbundene Kosten

Der einzig wirklich große Nachteil, den ich sehe, ist dass zum serverside Tagging aktuell ein Google Cloud Account notwendig ist – je nachdem, wie viel Traffic eine Website hat, ist dieser mit Kosten verbunden, so oder so muss der Nutzer beim Setup seine Kreditkartendaten hinterlegen. 

Dies ist für einige kleine und mittelständische Unternehmen schon von Anfang an ein Dealbreaker und führt dazu, dass einige Unternehmen die neuen Optionen überhaupt nicht ausprobieren können. 

Bisher noch in der Beta!

Im Moment ist der Server-Container noch in der Beta-Phase. Das bedeutet auf der einen Seite, dass das Tool in Zukunft noch weiterentwickelt wird (ein Pluspunkt!), im Umkehrschluss aber auch, dass es aktuell noch nicht “ganz fertig” ist. Die Möglichkeiten, die bisher nativ geboten werden, sind nicht mit dem GTM-Web-Container zu vergleichen. 

Bedeutet aber auch: Es bleibt spannend – so oder so lohnt es sich also, mal einen Blick in die neue Container-Option zu werfen 🙂 

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