Google Analytics 4: Wie berechtigt ist der Hype?

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Wer in den letzten Wochen über Tracking und Reporting gelesen, gehört oder gesprochen hat, ist an zwei Themen nicht vorbei gekommen: 

Erstens: IOS14 und alles, was damit zusammenhängt. 

Zweitens: Google Analytics 4. 

Über IOS14 sprechen wir in einem anderen Blogbeitrag, heute schauen wir uns Google Analytics 4 an und sprechen darüber, wie berechtigt der Hype zur neuen Google-Analytics-Version ist (Spoiler: Nicht besonders.). 

Was verbirgt sich hinter Analytics 4? 

“The future of Google Analytics”, wie Google selbst GA4 auch nennt und feiert, wurde Mitte 2020 veröffentlicht und ist eine Weiterentwicklung von “Google Analytics for Web and App”, das 2019 in der Beta-Version gelaunched wurde.

Kurz gesagt handelt es sich bei Analytics 4 also tatsächlich um eine neue Form von Google Analytics, die nicht nur plattformübergreifendes Tracking ermöglicht, sondern auch noch allerhand zusätzliche Features mitbringt und sich sowohl optisch, als auch technisch von den bisher beliebten “Universal Analytics”-Properies unterscheidet. 

Die Unterschiede: Universal Analytics vs. Analytics 4

Der Fokus in den neuen Analytics-Properties geht immer weiter weg vom klassischen “Session-Tracking”. Anstelle von Sitzungen stehen hier Nutzerverhalten und Ereignisse im Vordergrund. 

Neuerungen und neue Features sind zum Beispiel:

  • Plattformübergreifendes Tracking: App und Website können in der gleichen Property getracked werden
  • Automatisiertes Ereignis-Tracking: Einige Ereignisse, zum Beispiel Scroll-Events, können ohne Code-Anpassungen gemessen werden.
  • Funnel-Reports: Funnel-Reports können selbst zusammengestellt und individuell gefiltert werden und sind nicht mehr nur für E-Commerce-Daten verfügbar.
  • Verbessertes Nutzer-Tracking: Während man in Universal Analytics entweder eigene Nutzer IDs hinterlegen oder sich auf den Tracking-Cookie verlassen musste, arbeiten die neuen Properties nach dem Wasserfall-Prinzip: Wird keine eigene Nutzer-ID übermittelt, werden automatisch Google Signals Daten herangezogen. Sind auch diese nicht verfügbar, wird die Geräte- oder die Cookie-ID genutzt. Natürlich alles anonymisiert! 😉
  • Domainübergreifendes Tracking: Cross-Domain-Tracking ist nicht neu. Neu ist, dass es komplett ohne Code-Anpassung und direkt im Analytics-Interface konfiguriert werden kann. Super schnell & einfach!

Das sind natürlich längst nicht alle Anpassungen, die das neue Google Analytics mitbringt – eine komplette Aufzählung aber würde nicht nur den Rahmen sprengen, sondern wäre auch recht bald wieder veraltet, denn Google Analytics 4 wird im Moment sehr schnell und aktiv weiterentwickelt. So gibt es beinahe wöchentlich Updates und Neuigkeiten.

Ein paar Einblicke möchte ich euch dennoch nicht vorenthalten – lasst uns deswegen einfach mal kurz gemeinsam ins Interface schauen:

Startseite / Overview: 

Schon hier fällt auf, dass Google Analytics zumindest optisch stark überarbeitet wurde, inhaltlich ist die Startseite noch recht ähnlich zur Universal Analytics Overview. 

Echtzeit-Reports: 

Interessanter wird es in der Echtzeit-Übersicht. Hier wird nicht nur optisch ansprechend mit einer großen Karte und einem Kachel-Design gearbeitet, es ist auch möglich, direkt zu filtern und zu vergleichen: 

Filter und Vergleiche

Die Datenansichts-Filter, die man aus Google Analytics kennt, fallen in den neuen Analytics Properties weg – dafür lassen sich Reports in Echtzeit filtern. Das funktioniert (zumindest meiner Meinung nach) wesentlich einfacher und benutzerfreundlicher als in Universal Analytics und ist nicht permanent – die Gefahr, eine komplette Datenansicht mit einem einfachen Filter zu ruinieren, wurde also gebannt. 🙂 

Das Filter-Menü sieht folgendermaßen aus: 

Klingt alles ziemlich gut, oder? 

Runter vom Hypetrain: Die Nachteile von GA4

Wenn man die vielen neuen Features und die vermeintlichen Lösungen zu den großen Problemen der Tracking-Industrie sieht, kann es gut sein, dass man sich für einen kurzen Moment vom Hype-Train mitreißen lässt. 

Natürlich ist aber auch hier nicht alles Gold, was glänzt und es gibt einige Nachteile, die man nicht außer Acht lassen sollte: 

Kein Datenimport möglich

Eigentlich logisch: Die Messweise hat sich in GA4 im Gegensatz zum Standard Google Analytics stark verändert – deswegen fangen die neuen Properties bei null an und es gibt keine Möglichkeit, die Daten aus der alten Universal Analytics Property zu importieren. 

Eine Vergleichbarkeit ist so nicht gegeben. Wer also umsteigt, muss damit rechnen, für eine Weile keine validen Vergleiche zu vergangenen Zeiträumen ziehen zu können. 

So. Viele. Bugs. 

Google Analytics ist für viele Marketing-Abteilungen bis heute die Single Source of Truth, es ist also unheimlich wichtig, dass die Daten zuverlässig ankommen, das Interface reibungslos funktioniert und das Tracking ohne größere Zwischenfälle läuft. 

Leider steckt GA4 noch in den Kinderschuhen, sodass wir von “ruckelfrei” noch einige Schritte entfernt sind. Erst vergangene Woche ist in einigen Properties das Problem aufgetaucht, dass Referrer und Kampagnenquellen nicht korrekt erfasst wurden und der Traffic komplett oder zu großen Teilen auf direct / none attribuiert wurde. 

Nicht besonders praktisch, wenn man versucht, seine Kampagnenperformance anhand der Google-Analytics-Daten zu bewerten. 

Übersicht

Hier kommen wir ein bisschen in Richtung “Ansichtssache” und das hier ist nur meine persönliche Meinung: Aber ich find das neue Interface zum Teil einfach super unübersichtlich und unaufgeräumt. 

Viele Informationen, die in Universal Analytics auf den ersten Blick ersichtlich waren, muss man sich in GA4 umständlich zusammenklicken oder in Google Data Studio nachbauen – aber zumindest gibt es einen Google Data Studio Connector 🙂 

Bleibt die wichtigste Frage: 

Auf GA4 umsteigen – eine gute Idee? 

Auch wenn Google Analytics 4 in aller Munde ist: Es ist nicht alles gold, was glänzt und es macht nicht bei jedem Hype-Thema Sinn, es sofort anzugehen und umzusetzen.

Deswegen: 

Nein, von einem kompletten Umstieg würde ich derzeit noch abraten. Meine Empfehlung ist es, eine Google Analytics 4 Property aufzusetzen und diese für eine Weile parallel zur gewohnten Universal Analytics Property laufen zu lassen. 

So können vor dem endgültigen Umstieg in Ruhe Daten gesammelt werden und Marketing- und Tracking-Teams können sich in Ruhe mit den neuen Reports und Features beschäftigen. Außerdem können Nutzer so das beste aus beiden Reporting-Welten kombinieren und genau das nutzen, was das eigene Unternehmen gerade weiterbringt. 

In diesem Sinne: Viel Spaß mit eurem Google Analytics Setup!

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